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by Ham Vocke

Welcome to the Club!

Ein Kartenspiel und vier Freunde. Mehr braucht es nicht mit dem vermutlich besten Kartenspiel der Welt loszulegen: Doppelkopf. Wer das Spiel einmal beherrscht hat jahrelang Spaß, ob bei der kurzen Runde mit Freunden in der Pause, spätabends bei der Familienfeier zu Weihnachten, beim Stammtisch mit den Kumpels in der Kneipe oder ganz entspannt im Urlaub.

Das Problem: Doppelkopf lernen ist ziemlich fummelig. Viele Doppelkopfspieler lernen das Spiel von anderen, erfahrenen Spielern. Bücher und Anleitungen sind oft langwierig, staubig, und vollgepackt mit komplizierten Begriffen, die wenig Lust auf mehr machen. Ich treffe zu oft Leute, die mir sagen “ich hätte ja schon Bock auf einen Doppelkopfstammtisch, aber ich kann kein Doppelkopf spielen”. Schade eigentlich.

Ich selber habe Doppelkopf als Kind von meinen Eltern und meiner Familie gelernt, und es gehörte bei uns jahrelang zur Tradition am 1. Weihnachtsfeiertag bei Oma bei Bier und Schnaps (früher war auch mehr Zigarettenrauch…) eine gehörige Runde Karten zu kloppen. Irgendwann haben Freunde in Hamburg einen kleinen Doppelkopfstammtisch aufgemacht und mich eingeladen. Unsere Doppelkopfrunde hat uns regelmäßig durch Hamburgs Kneipen geführt und war jeden Monat eins meiner persönlichen Highlights. Ich habe schnell gemerkt, dass mein Spiel etwas eingerostet war. Als neugieriger Software-Entwickler hab ich mir gedacht, dass ich ein kleines Stück Software schreiben kann, um einem Computer beizubringen, Doppelkopf zu spielen. “Wenn ich das einem Computer beibringen kann, muss mein eigenes Spiel sich sicherlich auch verbessern”, dachte ich mir. 2017 begonnen, habe ich diese Idee über mehrere Monate (es waren vermutlich sogar Jahre, wenn wir ganz ehrlich sind) in die Tat umgesetzt und das Ergebnis auf doppelkopf.party veröffentlicht. Das Ergebnis war ein Browser-basiertes Doppelkopfspiel gegen vier Computerspieler. Die Seite gibt’s seit kurzem nicht mehr, aber der Quellcode ist nach wie vor öffentlich verfügbar.

Das Projekt ist irgendwann eingeschlafen. Als Hobby-Projekt konnte ich immer nur vereinzelt Stunden aufbringen, um neue Features zu bauen. Das hat bis zu einem gewissen Punkt ganz gut geklappt. Das Grundspiel funktioniert wunderbar, was ich unter anderem auch den wichtigen Beiträgen fleißiger Open Source Mitarbeiter zu verdanken habe — an dieser Stelle ein großes “Dankeschön”!

Doch nach Jahren der häppchenweisen Weiterentwicklung war die Luft raus und das Projekt stagnierte.

Commits, code über die Jahre
1617 Änderungen, fast 5 Jahre Entwicklung, und eine gottlose Anzahl an geänderten Codezeilen für meinen ersten Versuch.

Wichtige Funktionen wie Hochzeiten, Solo, oder besondere Spielregeln blieben ungelöst. Familie und Privatleben waren wichtiger, und nach 40+ Stunden als professioneller Softwareentwickler hatte ich abends keinen Bock, noch mehr Code zu schreiben.

Doch irgendwo bei mir im Hinterkopf blieb die Leidenschaft für diese Idee. Was als banaler Versuch startete, mir selber etwas besser die Doppelkopfregeln einzubläuen, hat sich schnell als etwas entpuppt, was vielen Leuten da draußen helfen kann: Leuten, die keine Ahnung haben, wie sie Doppelkopf lernen sollen. Leuten, die gerne spielen würden, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Leuten, denen erfahrene Mitspieler im Leben fehlen.

Es sollte keinen Grund dafür geben, dass mir jemand sagt:

Ich hätte ja schon Bock auf einen Doppelkopfstammtisch, aber ich kann kein Doppelkopf spielen und weiß nicht, wo ich anfangen soll.

Wir alle verbringen viel zu viel Zeit alleine vor dem Bildschirm. Da sind solche einfachen Dinge wie Kartenspielen mit Freunden, Familie, Kollegen ein dringend benötigtes Gegengift.

Deshalb öffnet heute der Doppelkopf Club seine Pforten.

In den letzten Wochen hatte ich endlich genug Zeit und Bock, mich diesem Projekt zu widmen. Ich habe die Lektionen von doppelkopf.party genutzt, das Browser-Spiel komplett neu geschrieben, fehlende Funktionen gebaut und eine Website drumherum gebaut.

Ab heute gibt es im Doppelkopf Club zwei Kern-Features:

  1. Wir haben eine interaktive Anleitung, die die zunächst die Grundregeln, dann die etwas komplizierteren Komponenten wie Hochzeiten, Solospiel und Sonderregeln beleuchten. Es ist alles enthalten, was ihr braucht, um eure eigene Runde aufzumachen - ganz egal ob ein erfahrener Spieler dabei ist oder nicht.
  2. Wir haben ein Browserspiel, dass die interaktive Anleitung unterstützt und euch dabei hilft, zu üben, zu lernen, und euer Spiel zu verbessern. Jederzeit und überall. Das Spiel läuft in jedem gängigen Browser, auf jedem halbwegs brauchbaren Gerät. Ihr spielt alleine gegen drei Computerspieler, braucht also nicht darauf warten, dass andere Spieler online sind (und ihr habt auch keinen Stress, wenn ihr Quatsch im Spiel macht).

Wir sind noch lange nicht fertig, aber heute haben wir den ersten großen Schritt auf diesem Weg geschafft. Wie immer ist am Anfang noch nicht alles rund. Die Anleitung ist vollständig, aber bestimmt haben sich ein paar Fehler eingeschlichen. Die Computer-KI1 spielt taktisch gut, macht aber ab und zu noch ungeschickte Fehler. Das alles können wir in den nächsten Wochen ausbügeln und verbessern. Wenn ihr Fehler findet, sagt Bescheid.

Ich möchte mehr Leute inspirieren, Doppelkopf zu spielen — mit echten Leuten, im echten Leben. Damit das klappt, muss Doppelkopf zugänglicher werden: ohne langweilige Lektüre, ohne erfahrene Spieler als Voraussetzung, ohne angestaubte Apps. Ich will eine Anlaufstelle schaffen, wo jeder in die Doppelkopfwelt eintauchen, das Spiel lernen, üben und andere Spieler finden kann. Klar ist es ironisch: Ich baue eine Onlineplattform, damit mehr Leute offline Karten spielen. Aber ich bin überzeugt, dass der Doppelkopf Club der beste Weg ist, Doppelkopf zu lernen und im echten Leben mehr Karten zu kloppen. So wie früher bei Oma. Vielleicht mit weniger Zigarettenrauch.

Schaut euch um, probiert’s aus, teilt’s mit Freunden und Familie. Schickt mir ‘ne E-Mail wenn ihr eure Gedanken teilen wollt.

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Viel Spaß und bis zum nächsten Update.

— Ham

Footnotes

  1. Ja, ich benutze den Begriff “KI”, wenn ich eigentlich “eine ungesunde Anzahl an if-statements” meine.